Ein Agriturismo in Umbrien ist ein bewirtschafteter Bauernhof mit Übernachtung, meist in einem Steinhaus (casale) im Hügelland zwischen Assisi, Spello und Santa Maria degli Angeli. Wer dort bucht, wohnt in einem restaurierten Gebäude aus lokalem Kalkstein, isst Produkte aus dem eigenen Garten und hat die Wege des Parco del Subasio direkt vor der Tür. Entscheidend ist weniger die Ausstattung als die Lage: Ein Hof am Hang oberhalb von Santa Maria degli Angeli bedeutet kurze Wege zum Kloster, lange Schatten am Nachmittag und den Blick auf die Subasio-Kette.

01Was ist ein Agriturismo in Umbrien genau?

Agriturismo in Umbrien: Höfe, Küche und Wege

Der Begriff ist in Italien gesetzlich geregelt. Ein Agriturismo muss an einen landwirtschaftlichen Betrieb gebunden sein, und der Betrieb muss einen Teil seines Einkommens aus der Landwirtschaft erzielen. Das unterscheidet ihn von einem reinen Landhotel. In Umbrien heißt das in der Praxis: Olivenhaine, Weinberge, Gemüsegärten, oft ein paar Hühner, manchmal Schafe. Die Zimmer liegen in umgebauten Stallungen, Scheunen oder im ehemaligen Wohnhaus der Familie.

Für Reisende hat das zwei Folgen. Erstens ist die Küche an das gebunden, was gerade wächst: zuppe aus Hülsenfrüchten, Gemüse aus dem Garten, Brot aus dem Holzofen, Öl aus der eigenen Presse. Zweitens sind die Höfe meist klein, mit sechs bis zwölf Zimmern, und liegen außerhalb der Ortschaften. Ein Auto oder zumindest ein Fahrrad ist sinnvoll, auch wenn einige Betriebe Shuttles anbieten.

Die Region um Assisi ist für diese Form des Wohnens besonders geeignet, weil die Hügel hier nicht zu steil sind und die Dörfer nah beieinander liegen. Wer sich einen Überblick über die verschiedenen Höfe und ihre Lage verschaffen will, findet auf Quaderno del Subasio eine italienischsprachige Seite, die genau dieses Gebiet zwischen Assisi und dem Monte Subasio beschreibt.

02Steinhäuser und Höfe im Hügelland um Assisi

Die casali dieser Gegend folgen einem Muster, das sich aus dem Material ergibt. Der Kalkstein des Subasio bricht in Platten, die sich ohne großen Mörtelaufwand stapeln lassen. Deshalb sind die Mauern dick, die Fenster klein und die Dächer flach geneigt. Viele Häuser stehen nicht auf der Kuppe, sondern leicht darunter, auf halber Höhe, wo Wasser austritt und der Wind weniger angreift.

Typisch ist der Grundriss mit einem offenen Erdgeschoss, in dem früher Tiere und Vorräte standen, und einem Wohngeschoss darüber, das man über eine Außentreppe erreicht. Bei der Restaurierung bleibt diese Trennung oft erhalten: unten Küche und Gemeinschaftsraum, oben die Zimmer. Der Hof davor, die aia, ist gepflastert oder geschottert und dient heute als Terrasse.

Wer mit Kindern oder Hunden anreist, sollte auf zwei Dinge achten. Erstens auf die Einfriedung: Viele Höfe liegen an offenen Feldwegen, und nicht jeder Betrieb ist eingezäunt. Zweitens auf den Schatten. Ein alter Feigenbaum oder eine Pergola mit Wein macht den Unterschied zwischen einem nutzbaren Hof und einer Fläche, die man im Juli mittags nicht betritt.

03Was kommt in Umbrien auf den Tisch?

Die Küche der Höfe ist eine Küche der Vorräte, nicht der schnellen Gerichte. Getrocknete Hülsenfrüchte, Linsen aus Castelluccio, Kichererbsen, Bohnen, dazu Gemüse je nach Jahreszeit. Im Winter dominieren zuppe und minestre, im Sommer Tomaten, Zucchini, Auberginen und Kräuter aus dem Garten direkt neben der Küche.

Das Öl ist das verbindende Element. Umbrien produziert Olivenöl mit kräftigem, leicht bitterem Geschmack, das sich deutlich von toskanischen Ölen unterscheidet. Viele Betriebe pressen selbst oder lassen in einer der frantoi der Umgebung pressen. Wer im November reist, kann die Ernte und die Pressung mitbekommen, allerdings ist das keine ruhige Reisezeit.

Beim Wein gilt Ähnliches: Die Hänge um Assisi und Spello bringen Weißweine wie Grechetto und Trebbiano sowie Rotweine aus Sangiovese und Sagrantino hervor. Auf den Höfen wird oft der eigene Hauswein ausgeschenkt, nicht die Flasche mit Etikett. Für Kinder ist das unproblematisch, für Erwachsene eine Frage der Erwartung: Wer eine Weinkarte sucht, ist im Agriturismo falsch, wer einen Krug auf dem Tisch will, richtig.

Ein praktischer Hinweis: Viele Höfe kochen nur für Hausgäste und nur mit Voranmeldung am Morgen. Wer spontan einkehren will, sollte vorher anrufen.

04Welche Wege führen durch den Parco del Subasio?

Der Parco del Subasio ist ein Regionalpark, der die Hügel zwischen Assisi, Spello und Nocera Umbra umfasst und bis auf 1290 Meter ansteigt. Der höchste Punkt, der Monte Subasio, ist von Assisi aus in etwa drei bis vier Stunden zu Fuß erreichbar. Der Weg führt durch Steineichen, dann durch offene Weiden, oben wird es kahl und windig.

Von Santa Maria degli Angeli aus starten die flacheren Routen. Die Basilika Santa Maria degli Angeli liegt in der Ebene, von dort führen Feldwege Richtung Assisi und weiter in die Hänge. Für Familien mit kleinen Kindern ist das der angenehmere Einstieg, weil die ersten Kilometer kaum Steigung haben.

Von Assisi aus gibt es den klassischen Aufstieg zum Eremo delle Carceri, der Einsiedelei im Wald oberhalb der Stadt. Der Weg ist etwa vier Kilometer lang und durchgehend im Schatten, was ihn auch im Sommer gangbar macht. Von Spello aus führen Wege über die Hänge nach Collepino und weiter in den Park, hier ist es ruhiger als auf der Assisi-Seite.

Für Radfahrer sind die Schotterstraßen im Park nur teilweise geeignet. Mountainbikes mit breiten Reifen funktionieren, Rennräder nicht. Wer mit dem Rad unterwegs ist, bleibt besser auf den asphaltierten Straßen zwischen Santa Maria degli Angeli, Spello und Bevagna.

05Wann lohnt sich der Besuch, und was sollte man wissen?

Die beste Reisezeit für Wanderungen sind April bis Juni und September bis Oktober. Im Juli und August ist es mittags heiß, und die Wege im Park haben kaum Schatten. Der 12. August ist in der Gegend ein Festtag mit ländlichen Feiern, dann ist mehr Betrieb in den Dörfern und die Unterkünfte sind früh ausgebucht.

Für die Anreise ist der Bahnhof von Santa Maria degli Angeli der praktischste Punkt, er liegt an der Linie Foligno, Perugia, Assisi. Von dort sind es mit dem Taxi oder einem Mietwagen wenige Kilometer in die Hügel. Wer ohne Auto reist, sollte die Entfernungen realistisch einschätzen: Zwischen Hof und nächstem Ort liegen oft zwei bis vier Kilometer, und abends fährt kein Bus mehr.

Ein letzter Punkt betrifft die Erwartung an den Komfort. Ein casale aus dem 18. Jahrhundert hat dicke Mauern, aber keine Fußbodenheizung. Im Frühjahr und Herbst kann es in den Erdgeschossräumen kühl und feucht sein. Wer das weiß, plant entsprechend und wird die Ruhe und die Küche umso mehr schätzen.

Wer nach mehreren Aufenthalten auf einem Agriturismo in Umbrien über den europäischen Rahmen hinausdenkt, stößt schnell auf die Frage, wann eine Reise tatsächlich in die passende Jahreszeit fällt. Der Blick auf Südafrika lohnt sich, weil sich Safari-Saison, Rundreisedauer und Routenwahl dort ähnlich planen lassen wie ein Aufenthalt zwischen Olivenhainen und Hügeln: nach beobachtbaren Bedingungen statt nach Versprechen. Der Beitrag zu Reisezeit und Route ordnet Zeiträume, Reisetypen und die Zahl der Tage für eine erste Rundreise ein, ergänzt um einen Seitenblick auf Japan.

Dieser Beitrag erscheint in der Rubrik Urlaub und Leben in Polen des Onlinemagazins Polen-Forum.com. Angaben ohne Gewähr: keine Rechts- oder Steuerberatung.